Es wird viel über eine nachhaltige Lebensweise gesprochen. Aber die Textilpflege wird oft vergessen. Auch hier ist das Thema Umweltschutz wichtig: Für Bekleidung gibt es Technologien und Materialien, die länger frisch bleiben und nicht so oft gewaschen werden müssen. Der Nachhaltigkeitsexperte Steve Richardson erklärt, warum dies eine gute Idee ist.

Der größte Teil der Umweltverschmutzung entsteht während des Gebrauchs der Kleidung – nicht bei der Herstellung

Wenn die Bekleidungsindustrie von Nachhaltigkeit spricht, geht es vor allem um Rohstoffe, Textilchemie, Recycling und eine möglichst lange Lebensdauer. All dies ist wichtig, aber nur ein Punkt lässt die Diskussion über Nachhaltigkeit oft aus: Wie nachhaltig ist das Produkt in der Nutzungsphase?

Zwei Drittel aller Umweltauswirkungen unserer Kleidung entstehen beim Gebrauch durch den Verbraucher“, erklärt Steve Richardson. Er arbeitet seit vielen Jahren an der Nachhaltigkeit und hat nachhaltige Materialien für Unternehmen wie Patagonien und Adidas entwickelt, für Adidas entwickelte er den recycelten Polyester-Schuh aus Meeresabfällen. Zuletzt arbeitete er für Tesla. Richardson: „Darin unterscheidet sich die Kleidung nicht von der Automobilindustrie, wo Autos aufgrund des Kraftstoffverbrauchs den meisten Schmutz während der Nutzung verursachen.“

Wenn es um den Energieverbrauch geht, steht der Wäschetrockner vor der Waschmaschine

Als Spezialist für nachhaltige Strategien und innovative Lösungen in der Textilindustrie wollte er wissen, welche Umweltauswirkungen die Pflege von Kleidung hat. „Aber es gibt nur sehr wenige Studien über die Auswirkungen der Produktpflege.“ In einer Ökobilanz hat er daher alle einzelnen Phasen der Produktnutzung und -pflege auf den Prüfstand gestellt.

Das Ergebnis: 65 Prozent aller Treibhausgase entstehen bei der Verwendung eines Produkts, d. h. durch Waschen, Trocknen und Bügeln. Die Produktion des Produkts macht nur 35 Prozent aus. Noch schlechter ist der Energieverbrauch: 73 Prozent werden in der Nutzungsphase verbraucht, nur 27 Prozent in der Produktion. Der Wäschetrockner verbraucht die meiste Energie, gefolgt von einer Waschmaschine und einem Bügeleisen. Beim Wasserverbrauch sind beide Seiten etwa gleich stark: 54 Prozent des Wassers werden während des Betriebs verbraucht.

Weniger Waschen spart Zeit und Geld

Seine Botschaft ist daher sehr einfach: Je weniger ein Produkt gepflegt werden muss, desto umweltfreundlicher wird es in der Gesamtbilanz. „Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass sie ihre Gewohnheiten ändern müssen“, sagt Richardson. Er will dies durch noch mehr gute Argumente erreichen, die er in seine Untersuchung einbezogen hat. Richardson: „Wenn wir weniger waschen, verlängern wir auch die Lebensdauer unserer Kleidung und sparen Zeit und Geld.“

Polygiene hält die Kleidung länger frisch

Natürlich wird die Botschaft nur dann funktionieren, wenn es eine akzeptable Alternative gibt, die unseren Hygienestandards nicht widerspricht. Laut Stevenson ist die Polygiene-Technologie mit aktiver Geruchskontrolle eine solche Alternative. Viele Marken wie Vaude oder Sympatex arbeiten bereits damit.

Polygiene verhindert das Wachstum von geruchsverursachenden Bakterien durch niedrige Konzentrationen von Silbersalz (Silberchlorid), das antimikrobielle Eigenschaften aufweist. Die Technologie wirkt nur auf die Textilien selbst und nicht auf Nanosilber, das durch die Haut in die Körperzellen eindringen kann.

Merino benötigt weniger Waschen

Wenn Sie viele Merinowäsche haben, können Sie sich auch die Mühe ersparen, einige Wäsche zu waschen. Hier gilt: Die Merino-Produkte über Nacht und nicht direkt in der Waschmaschine ausstellen. In dieser Zeit verschwinden Gerüche schnell, besonders bei Merino-Produkten.

Das Waschen ist bei Schafwolle nur dann notwendig, wenn die Kleidung wirklich schmutzig ist. Auch deshalb tragen viele Outdoor-Sportler Merinowäsche – vor allem bei längeren Touren.